Wissenschaftliche Studien

E. -TECHNIKâ Wissenschaftliche Studien

Neurophysiologische krankengymnastische Methode

Alle neurophysiologischen Bahnungssysteme der Physiotherapie wie E.-Technikâ (Peter Hanke), Vojta und Brunkow (seit 1994 auch Bahnungssystem) basieren auf dem Gedanken der idealmotorischen Entwicklung des Menschen unter dem Einsatz idealmotorischer Muster. Diese Bewegungsmuster sind auf die optimale mechanische und physiologische Beanspruchung des lokomotorischen Systems ausgerichtet. Ihre Fixierung im subcortikalen Raum des Zentralnervensystems und die Annahme der Funktionen durch den Kortex in der Entwicklungsphase bestimmen die Funktionen der menschlichen Motorik. Dies bedeutet, daß das ZNS als übergeordnetes Organ unserer Haltung und Bewegung in seiner umfassenden Funktion das Zielorgan krankengymnastischer Therapie ist. Aus der Entwicklung der neurophysiologischen Bahnungssysteme wird deutlich, daß über Bahnung eine Umgestaltung unserer Haltungs- und Bewegungsmuster ermöglicht werden kann. Diese Umgestaltung kann aber nur dann einen rehabilitativen Effekt zeigen, wenn die zugrundeliegende Kinesiologie einer Gesetzmäßigkeit unterliegt, die auf definierte Reize immer wieder definierte Antworten auslöst. Dies wiederum ist abhängig von der subcortikalen genetischen Verankerung der Idealmotorik als Grundlage, der zentralen Verarbeitung aller Afferenzen, den cortikalen Möglichkeiten unseres ZNS und den daraus resultierenden Efferenzen auf den Haltungs- und Bewegungsapparat. An den motorischen Bewegungen aus efferenter und afferenter Modulation läßt sich die zentrale Steuerung ablesen und damit auch der Erfolg oder Mißerfolg der Therapie ( Blum 1995).

In einer wissenschaftlichen Studie von Christiane Mertes 1996 wurden 15 Hüft-TEP Patienten ca. 3 Wochen postoperativ in der sogenannten “1b Phase Drehen” auf einem Schrägtisch (Tilt Table) behandelt. Im Vergleich dazu wurden 15 Hüft- TEP Patienten konventionell therapiert. Die Patientengruppe der konventionellen Therapie wurde fast ausschließlich im offenen System unter funktionsgymnastischen Gesichtspunkten behandelt. Zur Bestimmung des Bewegungsverhaltens der unteren Extremität diente in dieser Studie die unilaterale individuell mögliche Streckbewegung in Sprung-, Knie- und Hüftgelenk (konzentrische und exzentrische Arbeitsweise) in Rückenlage auf der Funktionsstemme der Fa. KELLER.

Der Schwerpunkt in der Behandlungseinheit mit E.-Technikâ liegt in der Stabilisation des Standbeines des operierten Hüftgelenkes. Der Tilt Table wird mit Kontrolle einer Sensorwaage soweit senkrecht eingestellt bis die vorgebende Belastung der Totalendoprothese erreicht ist. Während dem Spannungsaufbau im Drehmuster kann die Belastung gesteigert werden, indem der Stehtisch weiter vertikalisiert wird. Voraussetzung für die weitere Vertikalisierung des Patienten ist eine gesicherte Rumpfstabilität und eine gute Zentrierung des operierten Hüftgelenkes im Standbein.

Bei zunehmender Winkelveränderung auf dem Tilt Table verliert die 1b Position des Drehmusters ihre Motivation zum Drehen in die Bauchlage oder Seitenlage und gewinnt bei zunehmender Standbeinbelastung die Voraussetzung zum freien Stehen und Gehen. (siehe Abb.) Bei der Alltagsmotorik, z.B. im Stand, während des Gehens oder Treppensteigens übernehmen die unteren Extremitäten den Stütz, über den der Körperschwerpunkt gebracht wird. Der Stützpunkt wird bei der Vorwärtsbewegung zum Punktum Fixum. Das Axisorgan (Rumpf und Kopf) wird zum Punktum mobile, der sich hin zum schon vorhandenen Stützpunkt bewegt. Dies beinhaltet immer eine Muskelzugrichtung nach distal, so daß sich der Rumpf zu seinen distal gelegenen Muskelansätzen bewegt. Diese distale Muskelzugrichtung ist ein unerläßliches Kriterium für die Fortbewegung, den bipedalen Gang des Menschen (VOJTA 1992)

In der o.g. Untersuchung von Mertes 1996 ergaben sich in bezug auf die Veränderung der Geschwindigkeitsmaxima in der Konzentrik und Exzentrik der operierten unteren Extremität folgende Ergebnisse in beiden Gruppen

Die Gruppe mit neurophysiologischer Krankengymnastik (E.-Technik) erzielte im Vergleich zur Gruppe der konventionell behandelten Patienten im Abschlußtest in der konzentrischen Aktivität der betroffenen und gesunden Extremität signifikant (p  0.05) höhere Zugewinne.

Die bei der neurophysiologischen Behandlungsmethode erzielte Verbesserung der operierten Extremität in der Konzentrik von 69% liegt deutlich höher als das bei der anderen Therapiegruppe erreichte Niveau von 45,6%. Ähnlich verhält sich die prozentuale Zunahme in bezug auf die gesunde Extremität. Die Probandengruppe neurophysiologischer Therapie verbesserte sich in der Konzentrik um 38,7% im Gegensatz zur anderen Gruppe, die nur einen Zugewinn von 19,5% verzeichnet. Bei der erzielten Verbesserung der exzentrischen Aktivität der operierten und gesunden Seite unterscheiden sich beide Gruppen nicht signifikant (p  0.05). Die prozentuale Steigerung des Geschwindigkeitsmaximums ist annähernd gleich, d.h. die neurophysiologisch therapierten Patienten verbessern sich um 48,1% und die konventionell Therapierten um 45,3% auf der operierten Seite.

 

Vergleichbar verändert sich der Zuwachs auf der gesunden Seite, 30,9% in der Gruppe der neurophysiologischen Behandlungsmethode und 23,4% in der konventionellen Therapiegruppe.

Fazit

Bei den vorliegenden Ergebnissen zeigt sich, daß eine komplexe neurophysiologische krankengymnastische Therapiemethode mit dem Ziel von zentral gestörte Bewegungsmuster zu beeinflussen als qualitativ bessere Therapie eingestuft werden kann. Besonders für die frühe postoperative Phase, in der die Muskelinnervationsschulung ein vorrangiges Ziel darstellt, muß über die zentralnervöse Steuerung das pathologische Bewegungsmuster normalisiert werden.

Dementsprechend leistet E.-Technikâ zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen einen erheblichen Beitrag.